Braunschlag

Es gibt Ihn, den österreichischen Film, bzw. die österreichische Serie. Kaisermühlen Blues, die Piefke Saga, Kottan ermittelt, Aufschneider, die Polt-Trilogie oder auch die Brenner-Verfilmungen, nur um einige zu nennen. All diese Filme und Serien sprechen einen Aspekt der österreichischen schwarzen Seele an, treiben ihn zum Teil ins Absurde, Unmenschliche und Groteske. Es ist das Morbide, das Irrwitzige, das für mich bestimmte kinematografische Elemente dieser Filmgattung ausmachen. Die österreichischen Abgründe mit all ihrer Menschlichkeit, ihrer Sehnsucht, ihrem Versuch, ihrem Streben auszubrechen.

Und jetzt gibt es Braunschlag.

Manchmal braucht man eben ein Wunder.
In Braunschlag, im nördlichen Teil von Niederösterreich, nahe der tschechischen Grenze ist das Geld knapp geworden. Misswirtschaft und Veruntreuung  rund um Touristenattraktionen wie den regionalen UFO-Landeplatz, ein russisches Casino in Tschechien oder Karpfensushi zwingen Bürgermeister Gerri Tschach und dessen besten Freund Richard Pfeisinger, Besitzer der Dorfdisco Lametta, zu neuen Geschäftsideen um die marode Gemeindekasse wieder aufzufüllen. Was würde da besser passen, als eine Marienerscheinung um wieder Heerscharen an Touristen in das verschlafene Örtchen zu locken?

So beginnt eine wahnwitzige Achterfahrt rund um Bürgermeister Tschach, dessen Frau die aus der Einsamkeit ihrer Ehe ausbrechen will, dem Reinhard Matuschek der die Maria mit Außerirdischen verwechselt und der Dorfpomeranze Elfi, die Schwanger von ihrem unfruchtbaren Mann Pfeisinger sein will, während dieser dauer besoffen durch die Landschaft taumelt. So kommt es, wo man doch gerade bei Wundern ist, auch nicht schlecht, dass sich der alte Matuschek von seinem Totenbett erhebt, nachdem ihm 2 Meerschweinchen auf die Brust gelegt wurden. So ist es nicht verwunderlich, dass, nach all der Aufregung in dem sonst so ruhigen Örtchen, auch der Vatikan einen Beobachter schickt um Licht in die wirren Vorkommnisse von Braunschlag zu bringen. Wenn dann „St. Pölten“ (Simon Schwarz) auch noch auftaucht um das verloren gegangene Geld von Tschach einzutreiben, dessen Tochter mit ihrem Freund einen Überfall auf die Bank des Dorfes plant und der seit Jahren verschwundene Hund Bauxi den alten Matuschek zerstückelt und damit sein Vermächtnis über Braunschlag hereinbrechen lässt, bleibt kein Stein mehr auf dem anderen.

YouTube Preview Image

Spätestens seit „Aufschneider“ ist David Schalko für mich als großer Filmemacher bekannt, der gekonnt den Nerv des österreichischen (und hoffentlich auch deutschen :)) Publikums trifft.
Mit einem großen (österreichischen) Staraufgebot (Robert Palfrader, Nicholas Ofczarek, Nina Proll, Maria Hofstätter, Manuel Rubey, Thomas Stipsits u.v.a.) gelingt Schalko ganz großes Kino, eine Achterbahnfahrt des Absurden, Grotesken und Abgründigen. Braunschlag ist eine Serie über einen Ort, der überall in Österreich zu finden sein könnte. Alkoholismus, Korruption, Einsamkeit, Sadismus und ein bisschen Katholizismus sind ja auch ein bisschen tief verankert in der österreichischen Seele.

„Die Deitschn san jetzt billger als die Tschechn.“ Tschachs Mutter über die neue Angestellte.

Nach dem Abspann der letzten Folge (acht an der Zahl) bleibt man unweigerlich auf der Couch sitzen, ungläubig schauend. Das Gehirn muss erst verarbeiten, was es da gerade erlebt hat. Man möchte weinen, man möchte lachen. Man fühlt sich wie von einem Zug überrollt. Man will mehr. Wie nach einem 360 minütigem High ist das Auftauchen in die Realität fast schon farblos und leer.

Ich hoffe auf mehr Serien von diesem Schlag :).

Wertung: 10 von 10 lungenembolische Meerschweinchen

Braunschlag auf Amazon

Ein Gedanke zu „Braunschlag“

  1. <3 <3 <3
    ich hab' schon alle in meinem Umfeld damit angefixt 😉 sehr schade allerdings, dass sich der ORF bis Herbst damit Zeit lässt, die Serie auszustrahlen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.